NATIONALES FOTOZENTRUM

PRESSEMITTEILUNG

Düsseldorf, 10.03.2020

+++ Expertenkommission setzt sich überraschend über die Beschlüsse von Bundestag und Landtag NRW hinweg und empfiehlt Essen als Standort für das nationale Fotozentrum +++
+++ Projektschmiede sieht die Empfehlung für Essen als Affront gegen Bundestag und Landtag NRW +++
+++ Empfehlung der Kommission ist für beide Parlamente nicht bindend +++
+++ Projektschmiede fordert für das Institut ein globales Digitalkonzept +++

Mit der heutigen Vorstellung des Konzepts für das geplante nationale Institut für Fotografie hat die von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) eingesetzte Expertenkommission für eine handfeste Überraschung gesorgt: Als Standort empfiehlt sie die Stadt Essen und hier konkret das Gelände des Weltkulturerbes Zeche Zollverein. Begründung: Hier existiere eine lange Tradition der Fotografie-Förderung und es sei ein „großer Kranz“ an einschlägigen Einrichtungen bereits vorhanden, die eine Initiierung effizienter mache. Die inhaltlichen Aufgaben des Fotozentrums werden archivalischer, konservatorischer und in eingeschränktem Maße auch kuratorischer Natur sein (Präsentation von Forschungsergebnissen). Das bedeutet, dass sich das Institut – analog zum Literaturarchiv in Marbach – als internationaler Archivstandort für Fotografie etablieren wird, der zugleich die Vor- und Nachlässe berühmter Fotokünstler ankaufen und aufnehmen wird.

„Wir sind sehr erstaunt und in hohem Maße irritiert, dass sich die von Kulturstaatsministerin Monika Grütters eingesetzte Expertenkommission mit Ihrer Standort-Empfehlung über die Beschlüsse des Haushaltsausschusses des Bundestages als oberstem Souverän vom 14.11.2020 und dem wenige Tage danach gefassten Beschluss des Finanzausschusses des Landtags NRW ohne erkennbaren Grund hinwegsetzt. Das ist ein Affront gegen beide Parlamente, die als Legislative von der Exekutive praktisch ignoriert werden. Diese Art des Umgangs halten wir für fragwürdig und der Sache nicht dienlich. Die für Essen genannten Entscheidungsgründe treffen in noch viel größerem Maße für Düsseldorf als Standort zu. Damit ist die inhaltliche Begründung des Standortes nicht fundiert und dieses wichtige Leuchtturm-Projekt, was an sich eine so positive Wirkung für ganz Deutschland entfalten könnte, startet mit völlig unnötiger, maximaler Verstimmung“, äußern sich die Geschäftsführer der Kultur-Beratungsgesellschaft Projektschmiede, Kulturmanager Dr. Hagen W. Lippe-Weißenfeld (44) und Architekt Jan Hinnerk Meyer (55) unzufrieden. „Wir nehmen diese Empfehlung der Kommission daher als das was sie ist zur Kenntnis: Als reine, unverbindliche Empfehlung! Sowohl Bundestag als auch Landtag NRW haben nun die Möglichkeit, damit nach eigenem Gusto umzugehen und ihre Beschlüsse für Düsseldorf trotzdem umzusetzen oder ggf. neue Beschlüsse zu fassen. Nur und ausschließlich die Beschlüsse der Legislativen haben am Ende rechtliche Wirkung.“

Hagen Lippe-Weißenfeld: „Der Streit um den Standort sollte jetzt nicht den guten Inhalt des Konzepts und das Positive des ganzen Vorhabens überlagern. Deshalb muss die Expertenkommission jetzt nach diesem Affront auf beide Parlamente zugehen und gemeinsam nach einer Lösung für die Standortfrage suchen. Für NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, die noch am 30. Januar 2020 in der Rheinischen Post Düsseldorf als Standort klar benannt hatte, ist diese Empfehlung ebenfalls ein vollkommen unnötiger Schlag ins Gesicht, der am Ende der Kultur in ganz NRW schadet.“

Inhaltlich legt das Konzept der Kommission den Fokus auf eine archivalische, konservatorische und in geringerem Maße auch kuratorische Arbeit. Das ist exakt die Lücke, die in der nationalen Fotolandschaft dringend geschlossen werden muss, um zu verhindern, dass wichtige Archivbestände sowie Vor- und Nachlässe berühmter deutscher Fotokünstler ins Ausland abwandern. Genau vor dieser Gefahr haben wir seit Jahren gewarnt und es dient der Sache, dass Kulturstaatsministerin Grütters diesen ‚Ruf aus Düsseldorf‘ gehört und in kürzester Zeit die Initiative ergriffen hat.

Jetzt muss nach der endgültigen Klärung der Standortfrage das Konzept der Kommission digital weitergedacht werden, damit die Inhalte des Instituts jederzeit und für jeden Interessierten rund um den Globus abruf- und nutzbar sind. Was hier entsteht, ist weit mehr als ein reiner Fotokunst- und Archivspeicher. Der Anspruch muss sein, dass dieses Zentrum allen Interessierten rund um den Globus 24/7 zur Verfügung steht und alle technischen Mittel dafür genutzt werden, um eine offene, digitale, Open-Source-basierte Plattform zu schaffen, deren Inhalte jederzeit verfügbar („Open Standards“), transparent einsehbar („Open Data“) und durch offene Schnittstellen („Open APIs“) nutzbar sind. Wenn das gelingt, wird das Fotozentrum Teil der zukünftigen Weiterentwicklung der digitalen Fotografie im 21. Jahrhundert sein.“

Chronologie der Entscheidung:

30.11.2017      Vorstellung der Idee für ein nationales Fotozentrum durch die Düsseldorfer Projektschmiede.
17.02.2018      Symposium der Projektschmiede mit dem heutigen Vorsitzenden der Expertenkommission, Prof. Thomas Weski, im Malkasten Düsseldorf.
12.12.2018      Verkündung des Ankaufs der Foto-Sammlung Kicken.
Ab 05.2018     Fortlaufende Gespräche mit Kulturstaatsministerin Prof. Grütters und NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen.
14.11.2019      Der Haushaltsausschuss des Bundestages beschließt die Errichtung eines nationalen Fotozentrums und den Bundesanteil an den Gesamtkosten i. H. von 41,5 Mio. EUR.
15.11.2019      Die NRW-Landesregierung teilt mit, die Kofinanzierung in gleicher Höhe sicherzustellen. Die Stadt Düsseldorf teilt mit, dass Grundstück am Ehrenhof einbringen zu wollen.
30.01.2020      NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen erklärt in einem Interview mit der Rheinischen Post, dass Düsseldorf Standort des Fotozentrums werden soll.
10.03.2020      Die Expertenkommission stellt zusammen mit Kulturstaatsministern Monika Grütters ihr inhaltliches Konzept vor und empfiehlt Essen als Standort.

Für Rückfragen

Dr. Hagen W. Lippe-Weißenfeld
Geschäftsführender Gesellschafter Projektschmiede GmbH und Geschäftsführer Meyer Architekten GmbH, Tel.: 0173 / 188 50 28

Dipl.-Ing. Jan Hinnerk Meyer
Geschäftsführender Gesellschafter Projektschmiede GmbH und Meyer Architekten GmbH, Tel.: 0173 / 982 72 40

Fotos Copyright: Projektschmiede GmbH