DR. PABLO VON FRANKENBERG © Susanne Günther250

PABLO VON FRANKENBERG
DR. RER. SOC., M.A.

Als mir mein alter Professor, Gottfried Korff, einmal sagte, wie wenig empirische Erkenntnisse es über die Architektur von Museen gebe, sprang ich sofort auf diese Herausforderung an. Die Konsequenzen dieses sanften Ratschlags konnte ich damals nicht absehen. Zu Korff war ich 2005 gekommen, um Museologie zu studieren, unter dem Deckmantel des Faches Empirische Kulturwissenschaft an der Universität Tübingen. Gleichzeitig studierte ich Soziologie, um mir die methodologischen Grundlagen empirischer Sozialforschung anzueignen und die Struktur gesellschaftlicher Zusammenhänge begreifen zu lernen. Während des Studiums arbeitete ich für das Ruhr Museum in Essen und bekam in den Weiten des Depots die Grundlagen der Museumsarbeit vermittelt. Am Institut für Kriminologie stellte ich in den Forschungsprojekten über Mehrfach- und Intensivtäter fest, dass es oft die Ränder sind, von denen aus man das Ganze begreifen kann. Und in der Kulturhauptstadt RUHR.2010 sah ich, welche Veränderungen ein umfassend gedachtes Kulturprogramm auslösen kann – im Denken der Menschen genauso wie in der Wahrnehmung stadträumlicher Zusammenhänge, in der Organisation von Kulturbetrieben und in der Kommunikation zwischen KünstlerInnen und Entscheidungsträgern. 

Die Museumsarchitektur ließ auf einmal all diese Fäden zusammenlaufen: das Denken in Strukturen, der Erkenntnisgewinn von den Rändern her, die Funktion von Kulturinstitutionen für gesellschaftliche Metamorphosen. Nach Forschungsaufenthalten in den USA, in China und am Arabischen Golf mündeten meine Arbeiten zur Internationalisierung der Museumsarchitektur in meiner 2013 veröffentlichten Dissertation.

Theorie und Forschung wollte ich dann mit der Praxis abgleichen und ging, nach einer kurzen Station bei Urbane Künste Ruhr, für die ich das künstlerische Forschungsprogramm mit aufbaute, als Kreativdirektor zu HG Merz. In internationalen Museums- und Denkmalpflegeprojekten konnte ich nicht nur meine Forschungsergebnisse mit der Praxis abgleichen, sondern arbeitete auch mit renommierten Architekturbüros wie UNStudio, David Chipperfield, Bjarke Ingels u.a. zusammen. 

Seitdem entwickele ich Museen vom ersten Konzept bis zum letzten Exponat-Text, arbeite an der Schnittstelle zwischen Inhalt und Gestaltung, berate Architektur- und Museumsteams, arbeite mit Kommunen und privaten Auftraggebern an Museums- und Kulturprojekten. 2019 machte ich mich als Kurator mit diesem sehr speziellen Leistungsbild selbständig. Die Themen meiner bisherigen Ausstellungen erstrecken sich über Architektur, Archäologie und Astronomie über Denkmalschutz, Industrielles Erbe sowie Lokal- und Kulturgeschichte. 

In der universitären Lehre vermittle ich mein mit jahrelanger Praxiserfahrung angereichertes Wissen zwischen soziologischer und kulturwissenschaftlicher Theorie, Museologie, Architektur und Ästhetik. Ob in der Lehre oder in der Praxis: immer wieder zeigt sich, dass man am Museum und seiner Architektur die Welt erklären kann.

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